09 September 2006

Gelsenkirchen-Overlook

Von Montag bis Mittwoch war ich im "wunderschönen", Gelsenkirchen, dem schon Kreisler ein Lied widmetet. Glücklicherweise war die dortige Konferenz zumindest interessant und auch die Abende mit Kollegin und 2 Gestalten aus Stuttgart waren mehr als unterhaltsam.
Was aber gar nicht ging, war das Hotel zur Post. Von der Konferenzorganisation empfohlen hatten wir uns alle vier dort eingefunden.
Die Ankunft funktionierte wie folgt:
An der Rezeption befand sich ein Schild: "Wenn Sie ein Zimmer wünschen oder eine Frage haben rufen Sie die folgende Telefonnummer an. Eine Telefonzelle befindet sich gegenüber dem Hotel neben der Apotheke". Rief man dort an, bekam man die Aufforderung "Kommst du hoch in zweite Stock!" zu hören. Dieser nachgekommen, erhielten wir tatsächlich von einer Putzfrau die Schlüssel für die gammeligsten 60er Jahre Zimmer der Welt (nicht ohne vorher endlos lange grüne Flure entlanggegangen zu sein, die doch sehr stark an Kubricks Shining erinnerten.
Die Zimmer selbst: Gruselig-gammelig. Und mit merwürdigen Überbleibseln aus vergangenen Zeiten ausgestattet. So etwa mit dem abgebildeten Fundstück.
Die Professionalität, mit der das Hotelpersonal den Schuppen schmiss, zeigte sich dann auch noch bei der Abreise bzw. dem Bezahlen der Zimmer. Jemand hatte uns einen eigentlich zu günstigeren Zimmerpreis zugesichert, den wir dann auch bezahlt haben. Der Angestellte wurde jedoch noch in unserem Beisein vom Chef "zur Sau gemacht", ließ sich das aber nicht gefallen und begann sich laut schreiend zu rechtfertigen, indem er brüllte "Ich sehe es nicht ein, dass ich immer den Kopf hinhalten muss. Dann machen Sie das doch das nächste Mal selbst!" etc. Inzwischen waren nicht nur wir staunend verstummt, sondern auch die Frühstückgsgesellschaft im Frühstückssaal, die auch schlecht weghören konnte.
Durch die vielen Eindrücke, die die Stadt und das Hotel bei mir hinterlassen hatten, fiel es mir dann leicht die Zeit (i.e die 1,5 Stunden vor der Rückreise nach Hildesheim) die eigentlich für einen Stadtbummel eingeplant war anders zu nutzen:
Ich nahm den erstbesten Zug, der aus der Stadt fuhr und genoss einen Bummel in Dortmund.